Ein Nammer Jahrhunderterückblick

Ein Nammer Jahrhunderterückblick

Kurioses und Bedeutsames

Vor 100 Jahren: MKB verlängert Schienennetz bis Kleinenbremen

Von Kurt Römming

Porta Westfalica-Nammen (krö). Der Jahreswechsel liegt hinter uns. Ein neues Jahrzehnt ist angebrochen. Was überliefert uns die Chronik, zurückblickend ein Jahrhundert und zwei Jahrhunderte, niedergeschrieben in den Jahren 1920 und 1820? Interessantes allemal, Kurioses und Bedeutsames. Über Silvesterfeiern in der heutigen Form mit Böllern und Raketen wird noch nicht berichtet, wohl aber, dass man früher mit „Selbstgebranntem“ ausgiebig auf das neue Jahr angestoßen hat.

Wie in Nammen oblag das Amt des Dorfschreibers in der damaligen Zeit allgemein dem Lehrer, der meist auch der örtliche Küster war. Hier hat Friedrich-Wilhelm Hedinger, Schulmeister in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Nachwelt die Sorgen und Nöte der Einwohnerschaft, freudige Ereignisse und Besonderheiten in schriftlicher Form hinterlassen, manches, das einem heute ein Schmunzeln abringt.

Für 1820 berichtet er von einem Januar, Februar und März mit sehr gelinder Witterung. „Frost, Schnee und Eis gab es gar nicht. Nie konnte man sich eines solchen Winters erinnern. Im Februar blühten Veilchen; Holunder und Stachelbeeren fingen an zu blühen. Maikäfer und Störche zeigten sich häufig. Der Winter setzte erst im April an.“ Als „ähnliche Jahre“ führt Hedinger, Überlieferungen nach, neben 1328 die Jahre 1420 und 1520 an. Was sagt uns das? Alles schon mal dagewesen!

Dass man es 1820 mit der kirchlichen Läuteordnung nicht überall so genau nahm, der Nammer Küster sich selbst aber wohl nicht betroffen fühlte, zeigt seine folgende Niederschrift: „Die Königlich-Hochlöbliche Regierung erläßt zufolge eingegangener Anzeige die Verfügung, daß das Leichengeläute von den Küstern, wenn sie von den Angehörigen der Verstorbenen dafür besonders bezahlt werden, zu zwei und mehreren Stunden ungebührlich verlängert und das Geläute dadurch der Beschädigung ausgesetzt wird, von der landräthlichen Behörde mit einer Polizeistrafe von 1 Rth zu bestrafen ist (Verf.:1 Reichsthaler entsprach 30 Silbergroschen; umgerechnet ca. knapp 20 Euro). Die Küster haben jede im Contraventionsfall entstandene Beschädigung am Geläute der betreffenden Kirche oder Communalkasse, woraus solches unterhalten wird, zu erstatten.“

Vor jetzt einhundert Jahren begann in Nammen eine neue Ära. Das Dorf wurde mit Wülpke und Kleinenbremen verkehrsmäßig erschlossen. Das 1916 mit dem Zuschuss von 3000 Goldmark durch den Kurbadbesitzer Heinrich Nolting bereits bis zur Haltestelle Bad Nammen ausgebaute Schienennetz der Mindener Kreisbahn war bis Kleinenbremen verlängert worden. Vom Bahnhof Minden Stadt an der Göbenstraße fuhr der Dampfzug über Dankersen und Meißen in den nördlichen Bergdörfern jetzt zusätzlich die Haltestellen Nammen Dorf (Nammen Grube kam erst 1936 hinzu), Wülpke, Kleinenbremen Dorf und Kleinenbremen Zeche an. Parallel verkehrten auf der Strecke die Erzzüge von der Grube „Wohlverwahrt“ Kleinenbremen, ab 1936/37 dann ab dem Verladebunker der „Barbara“ in Nammen.

Bereits seit den 1890er Jahren hatten die Gleise einer Schmalspurbahn für den Erztransport ab Kleinenbremen bis zum MKB-Haltepunkt Bad Nammen die Strecke gekennzeichnet. Dort machte der Gleiskörper einen Schwenk nach Südwest und führte durch die im Nammer Holz heute noch sichtbare Schneise über Lerbeck zum Verladebahnhof Porta.

1962 stellten die Mindener Kreisbahnen auf ihren Linien den Personenverkehr von der Schiene auf Busverkehr um. In unregelmäßigen Abständen fahren auf der Erzstrecke ab Nammen Grube auch aktuell noch Züge mit Gestein aus dem Wesergebirge. Außerdem verkehrt die Museumseisenbahn zum Besucherbergwerk Kleinenbremen.

Eine andere Entscheidung fiel 1920 in Nammen. Bereits seit den 1870er Jahren hatte man im Dorf das Volksschützenfest gefeiert. Das Schießverbot mit dem Ende des Ersten Weltkrieges veranlasste die Verantwortlichen damals, die alle Jahre neben dem Erntefest im Ort größte Veranstaltung aufzugeben. Vier Jahrzehnte später erinnerte man sich der Tradition. Das jährliche Volksschützenfest wurde 1960 wiederbelebt..

 

1920 begann für die nördlichen Bergdörfer eine neue Ära: Erstmals fuhr die Mindener Kreisbahn im Personenverkehr über den bestehenden Halt Bad Nammen hinaus (unser Foto) weiter bis Kleinenbremen.

 

 

 

 

Fahrplan Nammen Dorf: drei Zugverbindungen nach Minden, vier Richtung Kleinenbremen.

  1. Vor genau einhundert Jahren gingen vier Jahrzehnte Volksschützenfest-Tradition zu Ende (unser undatiertes Foto). Aber 1960 wurde das Schützenfest wiederbelebt.

 

Foto/Repros: Kurt Römming

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