Letzte Vorbereitungen

Nammen feiert das 146. Erntefest

Festumzug, „Achttourige“ und plattdeutsche Dorfanekdoten ziehen die Besucher an

Jubiläum: Schaumburger Trachtenkapelle 50 Jahre alt und das 50. Mal dabei

Von Kurt Römming

Porta Westfalica-Nammen (krö). Generationswechsel ist angesagt bei den „Vorderen“ des Nammer Erntefestes: Major Marcel Hartmann, seit 2014 Chef der Truppe, Ernteknecht Jonas Tödheide und Erntemagd Anna-Lena Römming haben im Vorjahr ihre Schärpen abgegeben. Beim 146. Erntefest am kommenden Wochenende, 27. bis 29. September, bekleidet erstmals Tobias Kohlmeier das Amt des Majors. Lars Rohlfing ist der neue Ernteknecht und Nele Wömpner die Erntemagd. Erstes Kranzmädchen bleibt Carolin Picht.

Von diesem ständigen Wechsel lebt das von der Erntejugend getragene, 1872 erstmals gefeierte Erntefest. Nach den seit 1946 geführten Aufzeichnungen hat es in den letzten sieben Jahrzehnten vierzehn verschiedene Ernteknechte gegeben, die von der Leiter vor dem Dorfkrug in launigen Versen das Dorfgeschehen unter die Leute gebracht haben. Das Amt des Majors wechselt jetzt das 21 Mal.

Kein Verein steht hinter dem ältesten und größten Erntefest im Mühlenkreis und darüber hinaus mit immer um die fünfzig Gespannen im Festumzug. Eine geschriebene Satzung gibt es nicht. Auch den andernorts üblichen Erntebauern als Ausrichter kennt man in Nammen nicht. Wer von den Jugendlichen heiratet, scheidet allgemein aus. Die alte Tradition mit den Gepflogenheiten des Festablaufs wird mündlich von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Früher selbstverständlich, heute besonders gepflegt:  Die hier getragene Bückeburger Tracht und die plattdeutsche Sprache.

Die Verantwortlichen und Organisatoren kommen aus dem sehr rührigem Dorfnachwuchs. Man arbeitet sich „nach oben“. Gefeiert wird im Dorfkrug. Die Ortsmitte um die St. Laurentius-Kapelle ist der große Festplatz.

Mehr als 60 Mädchen und Jungen sind in diesem Jahr wieder dabei, wenn sich die Erntejugend am Sonnabend pünktlich um 12 Uhr zum „Toltern“ aufmacht, vorweg die Schaumbuger Trachtenkapelle unter der Leitung von Dr. Lars Bögel. Allen, die sich der Ernte verbunden fühlen, wird ein musikalischer Besuch abgestattet. Für die Hausbewohner gibt es den Ehrentanz und von denen den obligatorischen Geldschein, der mithilft, die Finanzierung des Festes zu sichern. Um 21 Uhr beginnt im Dorfkrugs-Saal der Ernteball mit der Band „Brisant“, die auch am Sonntag spielt.

Die „Schaumburger“, die auch am Festsonntag den Erntewagen-Umzug begleiten, feiern in diesem Jahr in Nammen ein besonderes Jubiläum: Seit ihrer Gründung im Jahr 1970 sind sie ohne Unterbrechung die Nammer Erntefest-Kapelle.  Dienstältester ist Trompeter Ernst Weiser, der bereits davor mit einer anderen Kapelle in Nammen geblasen hat. 

Der Festsonntag beginnt um 13 Uhr mit den auf dem Kapellen-Vorplatz getanzten „Achttourigen“ der Erntejugend. Bald danach setzt sich in der Dorfmitte der große Festumzug in Bewegung. Seit Jahren waren es immer um die fünfzig zum Thema Ernte festlich geschmückte Gespanne, die in den Straßen der Ortsteile von vielen Schaulustigen erwartet werden. Über 40 Festwagen kommen allein aus Nammen, vorweg die Erntejugend und die Musiker, danach die von Vereinen, von Gruppen, von Nachbarschaften und von den Landwirten gestalteten Wagen. Einige Festgespanne aus den Nachbardörfern, vor allem aus dem Schaumburg-Lippischen, deren Umzüge die Nammer in gewohnter Weise in den letzten Wochen verstärkt haben, sind dabei. Zwischenhalt wird auf der „Lehmkuhle“ und am Altenheim Laurentius gemacht, bevor der Zug gegen 17.30 Uhr wieder in der für den Verkehr gesperrten Dorfmitte eintrifft. Den von den Besuchern mit Spannung erwarteten, in Verse gepackten Reden des Majors, des ersten Kranzmädchens, der Erntemagd und des Ernteknechtes folgt der Erntetanz mit den Achttourigen im Saal.

Seinen Auftakt nimmt das Erntefest am Freitag, 27. September, um 21 Uhr mit der Ein-Euro-Party mit DJ JaNyk im Dorfkrugssaal.

Bis Mitte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts führte der Festzug mit den Wagen der veranstaltenden Erntejugend an der Spitze noch durch die zum Kirchspiel gehörenden Nachbardörfer Meißen, Neesen und Lerbeck zurück nach Nammen. Aufgrund der verschärften verkehrsrechtlichen Auflagen durften die Nachbargemeinden dann nicht mehr angefahren werden.

Die Nammer Erntejugend: auch in diesem Jahr zählt sie

 wieder über sechzig Mädchen und Jungen.

 

 

 

 

Der Ernteknecht als Dorfchronist hat bei seinen in plattdeutsche Verse verpackten dörflichen Anekdoten immer die Lacher auf seiner Seite. Auf dem Bild: Jonas Tödheide.

 

 

 

Der im Mühlenkreis und darüber hinaus alle Jahre größte Erntefestumzug mit um die 50 Gespanne, davon über vierzig allein aus Nammen, bewegt sich Sonntagnachmittag durchs Dorf.

 

 

 

Doppeltes Jubiläum: 50 Jahre alt wurde die Schaumburger Trachtenkapelle (Foto um 1990). Seit ihrer Gründung im Jahr 1970 spielt sie ohne Unterbrechung an beiden Tagen beim Nammer Erntefest, 2019 das 50. Mal.

Die „Schaumburger“ beim Cammer´uner Erntefest am 15. September 2019.

 

Zurück zum Anfang